Was sind die Gründe für Haarausfall?
Die Auswirkung von Haarverlust kann sowohl bei Männern als bei Frauen soziale und psychische Probleme verursachen.
Bei Untersuchungen von Dr. Camacho und Kollegen konnte beobachtet werden, dass bei 55 % der Frauen die vom Haarverlust betroffen waren (FHPL), eine Neigung zur Depression besteht. Beim männlichen Haarverlust zeigten die Betroffenen in 78% Besorgnis und bei 22% aggressives Verhalten. Weiterhin wurde auch festgestellt, dass wenn der Haarausfall behandelt wird, 89% der Frauen und 76% der Männer eine Verbesserung diesbezüglicher Leiden zeigten.
Was sind also die Gründe für solch ein Ärgernis. Die Ursachen hierfür können sehr verschieden und komplex sein.
Männlicher Haarausfall (Male Pattern Hair Loss)
Die am häufigsten zu beobachtende Form des männlichen Haarausfalls ist die der androgenetischen Alopezie.
Die Geschwindigkeit und Beginn des Haarausfalls kann sehr unterschiedlich sein. Um es zu verdeutlichen sind hier beide extreme erwähnt. Bei evident veranlagten jungen Männern kann bereits unmittelbar nach der Pubertät der erbliche Haarausfall einsetzen und in wenigen Jahren zur vollständigen Glatzenbildung führen. Anders wiederum bemerkt ein 50-jähriger gerade erst den ersten Haarverlust.[2]
Zunächst ist beim Duschen oder Kämmen ein unübersehbarer, teils heftiger Haarausfall zu bemerken. Bei einem Verlust von ca. 50% der Haare ist dies auch optisch zu sehen. Die frühzeitige Analyse unter ist daher sehr wichtig. Bei einer rechtzeitigen und richtigen Behandlung kann der Haarverlust zumindest gebremst und in einigen Fällen (67%) sogar ein Volumenzuwachs der verkümmerten Haare erreicht werden. [3,4]
Betrachtet man die leichte Verschiebung der Haarlinie bereits als Haarverlust, so würde dies nach Hamilton bei Männern um die 50 eine Quote von 98% und nach Norwood 67% ausmachen.
Im Klartext bedeutet das, dass jeder zweite Mann unter mehr oder weniger starkem Haarausfall leidet.
Unabhängig vom individuellen Verlauf und Auswirkung ist der Trend dahingehend, dass der Haarausfall vermehrt in jungen Jahren beginnt.
Die Behandlung des Haarausfalls im frühzeitigen Stadium ist daher sehr wichtig. [7]
Der Grund warum man den männlichen Haarausfall androgenetische Alopezie nennt, liegt in den Androgenen. Androgene sind Hormone, die für die Entwicklung des männlichen Geschlechts eine wichtige Rolle spielen. Was schon lange vermutet wurde, scheint tatsächlich bewiesen zu sein. Beim Haarausfall von Männern spielen die Erbanlagen und das männliche Geschlechtshormone eine entscheidende Rolle. Durch bestimmte Veränderungen in der genetischen Bauanleitung des Androgen-Rezeptors kann es zu einer stärkeren Wirkung der Androgene kommen, welches dann zum Haarausfall führt.
Zur Erkrankung tragen zwar einige Erbanlagen kumulativ bei. Interessant ist aber deren Herkunft. Das Gen welches das Enzym 5-Alpha Reduktase produziert, kann sowohl von der Mutter als auch vom Vater vererbt werden. Das Gen für den Androgen-Rezeptor, welches die bedeutendste Rolle bei der Anrogene-Alopezie spielt, liegt dagegen allein auf dem X-Chromosomen. Männer erben es somit immer von ihrer Mutter. Ein Beleg für die verbreitete Annahme, dass Männer in Bezug auf Haarausfall eher nach ihrem Großvater mütterlicherseits als nach ihrem Vater schlagen. Die Ähnlichkeit vom Vater zum Sohn könnte aber auch auf weiteren Gene hinweisen, die unabhängig vom elterlichen Geschlecht vererbt werden.
Zwar bildet das Testosteron den Hauptbestandteil der androgenen Hormone, die Ursache für den Haarausfall liegt allerdings in einer erblich bedingten erhöhten Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber Dihydrotestosteron (DHT). Dieses aktivere Hormon wird durch das Enzym 5-Alpha Reduktase aus dem zirkulierenden männlichen Hormon Testosteron gebildet. Nach dieser Umstellung bindet sich das DHT and den Androgen-Rezeptor und dringt in den Zellkern und haftet sich an die DNA. Hier werden dann spezielle Proteine gebildet die dann die Nährstoffzufuhr blockieren. Dieses führt dazu, dass sich die Haare während des jeweils sechsjährigen Wachstumszyklus zunehmend verkleinern und schließlich als Folge einer Drosselung der Energieversorgung zurückbilden. Typisch für den veranlagten Haarausfall ist also die Verkümmerung (Miniaturisierung) des Haarwachstums. Das betroffene Haar wächst nicht mehr kräftig, sondern wird dünner und kürzer.
Ursächlich hierfür ist also die Wandlung des männlichen Hormons Testosteron in Dihydrotestosteron und Androstenodion.

Es gibt zwei Typen von 5-Alpha-Reduktase-Enzym. Der Typ I befindet sich in der Niere, Leber und Gehirn. Den Typen II kann man in den Haarfollikeln der Kopfhaut und in der Prostata finden. Und genau hier wirkt Finasterid, welches ursprünglich für Prostataleiden (Typ II) entwickelt wurde. Finasterid blockiert die Wirkung von 5-Alpha-Reduktase-Enzym. Die Hemmung dieses Umwandlungsenzyms hat zur Folge, dass der Prozess der Miniaturisierung teilweise oder sogar vollständig wieder rückgängig gemacht werden kann. Allerdings muss Finasterid regelmäßig eingenommen werden, um diesen Erfolg zu erzielen und zu erhalten.
Die Haarfollikel, die bei einer Haartransplantation als Spender entnommen werden haben zwar die gleiche DNA Zusammensetzung sind jedoch gegenüber androgenen Faktoren unempfindlich. Warum das so ist, wird noch untersucht. Hier könnte aber eine Therapiemöglichkeit gegen den Haarausfall gefunden werden.
Zur Einteilung der androgenetischen Alopezie wurde 1941 die internationale Norwood-Hamilton-Skala eingeführt. Vereinzelt werden aber auch andere Klassifizierungsmodelle genutzt.
Haarausfall bei Frauen
Grundsätzlich geht man davon aus, dass Frauen im Verhältnis zum männlichen Geschlecht weniger vom Haarausfall betroffen sind. Es ist jedoch zu beobachten, dass die Anzahl der Betroffenen Frauen zugenommen hat. Nach Hamilton haben die Frauen ab 50 eine Haarausfallquote von 86 Prozent. Andere Wissenschaftler beziffern dieses mit etwa 6 Prozent. Insgesamt haben etwa 30 bis 40 Prozent aller über 50-jährigen Frauen durch einen erblich bedingten Haarausfall die Hälfte ihres Haarvolumens verloren. Androgenetisch bedingter Haarausfall bei Frauen ist weitaus weniger als bei den Männern. Ursächlich hierfür kann ein verschobenes Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Geschlechtshormonen zugunsten der männlichen Geschlechtshormone sein. Neben dem Haarausfall treten häufig auch Symptome wie Hautunreinheiten, Menstruationsstörung, Hirsutismus und ein gesteigerter Talgabfluss auf.
Im Gegensatz zum männlichen Geschlecht beginnt der Haarausfall bei Frauen grundsätzlich nicht an der Haarlinie. Zunächst lichtet sich das Haar entlang des Scheitels und dünnt sich dann seitlich aus. Selten kommt es zu einer Glatzenbildung. Dieses Haarausfallschema ist typisch für den androgenen Haarausfall von Frauen. Es gibt jedoch auch Frauen, bei denen ähnlich wie bei den Männern eine Glatze im Stirnbereich auftritt.
Es wird vermutet, dass die genetische Veranlagung der wichtigste Faktor beim Haarausfall der Frauen (FPHL)ist. Zusätzlich können aber auch Eisenmangel, Vitamin B Mangel, Verschiebung des hormonellen Gleichgewichts nach einer Geburt, Funktionsstörung der Schilddrüse, Ginko –und Magnesiummangel, Mangelerscheinung durch Diäten, Defizite in der Ernährung, sinkender Östrogenspiegel in den Wechseljahren, schwere Infektionen oder chronische Krankheiten und insbesondere psychischer Stress den Haarausfall verursachen. Der Kahlheitsgrad beim androgenetischen Haarausfall der Frauen wird nach der international anerkannten Ludwig- Skala in drei Stufen eingeteilt. Eine andere Klassifizierung nach Olsen unterscheidet den Haarverlust bei Frauen vor und nach den Wechseljahren.

Female Pattern Hair Loss is first classified by Ludwig as I, II and III. [12] Later, Olsen made a classification separating the hair loss characteristics as early stage and pots-menopausal. [13]
Referenzen
- [1] Camacho, F.M., et al. Psychological features of androgenetic alopecia. J Eur Acad Venerol, (2002), 71; 115-121.
- [2] K.D. Kaufman, E.A. Olsen, D. Whiting, R. Savin, R. DeVillez and W. Bergfeld, Finasteride in the treatment of men with androgenetic alopecia. J Am Acad Dermatol 39 (1998), pp. 578–589.
- [3] Hamilton JB., Patterned loss of hair in man; types and incidence. Ann N Y Acad Sci. 1951; 53(3):708-28.
- [4] Norwood OT. Male pattern baldness: classification and incidence. South Med J. 1975; 68(11):1359-65.
- [5] W. Küster and R. Happle, The inheritance of common baldness: two B or not two B?. J Am Acad Dermatol 11 (1984), pp. 921–926.
- [6] Hillmer, A.M. et al. Genetic Variation in the Human Androgen Receptor Gene Is the Major Determinant of Common Early-Onset Androgenetic Alopecia. Am. J. Hum. Genet. 77 (2001),140–148.
- [7] Griffin JE, Wilson JD. The androgen resistence syndromes: 5-alpha-reductase deficiency, testicular feminization and related syndromes. In: Scriver CR, Beaudet AL, Sly WS, Valle D, editors. The Metabolic Basis of Inherited Disease, 6th ed. New York: McGraw-Hill; 1989:1919-44.
- [8] Chen W, Zouboulis CC, Orfanos CE. The 5 alpha-reductase system and its inhibitors. Recent development and its perspective in treating androgen-dependent skin disorders. Dermatology. (1996); 193(3):177-84.
- [9] Marty E Sawaya and Vera H Price, Different Levels of 5-Reductase Type I and II, Aromatase, and Androgen Receptor in Hair Follicles of Women and Men with Androgenetic Alopecia. Journal of Investigative Dermatology (1997) 109, 296–300.
- [10] Stephan Steckelbroeck et al., Characterization of the 5-Alpha-Reductase-3-Hydroxysteroid Dehydrogenase Complex in the Human Brain. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2001) Vol. 86, No. 3 1324-1331.
- [11] M.P. Birch , J.F. Messenger and A.G. Messenger., Hair density, hair diameter and the prevalence of female pattern hair loss. British Journal of Dermatology (2001), Vol. 144 Issue 2, 297 - 304.
- [12] Ludwig, E., Classification of the types of androgenetic alopecia (common baldness) occurring in the female sex. British Journal of Dermatology (2006) Vol. 97 Issue 3, 247 - 254.
- [13] Olsen, EA. Female pattern hair loss. J Am Acad Dermatol 2001; 45 (Suppl): S70-80.